Herbst-Winter 2013-14Die Inspiration
| Die Kontinuität der Erinnerungen oder wie Ideen, Gefühle und Erfahrungen kommen und gehen und Tag für Tag den kreativen Prozess beeinflussen. Für seine Prêt-à-Porter-Kollektion Herbst-Winter 2013 befasst sich Raf Simons mit den Erinnerungen und damit, wie sie die Kreationen des Hauses beeinflussen – heute bei Raf Simons wie früher bei Christian Dior. „Diese Kollektion steht vor allem im Bezug mit unseren gemeinsamen Leidenschaften“, so Raf Simons. „Wie beispielsweise unser Interesse für die Kunst – bevor er Modeschöpfer wurde, war Christian Dior Galerist und stellte Werke von Salvador Dali und Alberto Giacometti zu Beginn ihres künstlerischen Wirkens aus. Uns ist ebenfalls eine gewisse Einstellung zur Zeit und zu Anspielungen auf verschiedene Epochen der Geschichte gemein: für Christian Dior war es die Obsession für die Belle Epoque, für mich die für den Modernismus. Dabei ist die Idee der Verbindung über die Zeit wichtiger als das, was daraus entsteht. Das Wichtigste ist die Anziehungskraft und die Obsession.“ Die Kollektion ist wie eine Ideensammlung konzipiert, eine Collage aus Kleidungsstücken, die große Augenblicke symbolisieren, sei es für Raf Simons oder für das Haus Dior. Ein Mantel findet ohne Weiteres seinen Platz neben einer Neuinterpretation der Bar-Jacke aus Wolldenim, die wiederum zusammen mit einer neuen Bar-Tasche getragen wird. Als typisches Muster des Hauses Dior ist das Hahnentrittmuster in zerlegter und neu interpretierter Form auf Bodys und Bustiers hinter den breiten Krägen von Jacken, Mänteln und Kleidern zu erahnen. Die bereits bei den ersten Haute-Couture-Modenschauen bearbeitete Asymmetrie findet sich in der gesamten Kollektion in ihren facettenreichen, zugleich kurzen und langen Silhouetten wieder. Die Kollektion spielt mit unerwarteten Zusammenstellungen, zugleich tief greifenden und amüsanten freien Assoziationen, die ihren perfekten Ausdruck in dem finden, was Raf Simons als „robes de mémoire“ (Erinnerungskleider) bezeichnet.“ Ein gerade geschnittenes Kleid im typischen Stil der 1920er Jahre mit Stickereien und applizierten Motiven spielt auf die persönliche Geschichte Christian Diors an. Die Idee der freien Assoziation als typisches Merkmal des Surrealismus und als Grundlage dieser Kollektion lässt der Fantasie freien Lauf. In den verschiedenen Modellen ist eine neue grafische Sensibilität zu erkennen. Sie findet ihren vollendeten Ausdruck in einer absolut neuen Form der Zusammenarbeit zwischen der The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts und dem Hause Dior. Die ersten Zeichnungen des Künstlers aus den 1950er Jahre zeigen ein immer wiederkehrendes Motiv im modernen Stil, das als Aufdruck oder Stickerei auf Kleidung und Accessoires zu finden ist. „Für mich war die Entscheidung für Warhol selbstverständlich“, kommentiert Raf Simons die Zusammenarbeit. „Die Zartheit und Einfühlsamkeit seiner Anfänge haben mich besonders interessiert und der grafische Stil übt eine natürliche Anziehungskraft auf mich aus. Es ist die Idee der Freihandzeichnung, wie eine persönliche Signatur, die am besten zu dieser Kollektion passt. “ Surrealismus und Pop-Art sind ebenfalls im traumgleichen Dekor der Modenschau zu finden. Während sich ein von René Magritte inspirierter Wolkenpfad auf dem Boden um riesige Spiegelkugeln schlängelt, erreicht die Verbindung zwischen Erinnerung und Sehnsucht hier ihren Höhepunkt. |




