05.08 ALL ABOUT DIOR

GROßE ILLUSTRATOREN: RENÉ GRUAU

GALERIE

Entdecken Sie noch einmal die unnachahmlichen Zeichnungen von René Gruau, der es verstand, die ganze Eleganz der von Christian Dior kreierten Blumenfrau auf Papier festzuhalten.

René Gruau liebte Mode, die Mode befreundeter Designer – allen voran Dior –, die für raffinierte Eleganz steht und bei der das Accessoire eine Art de vivre und die Einstellung zum Leben verkörpert.

Der aus Italien stammende Künstler, der eigentlich Graf Zavagli-Ricciardelli delle Caminate hieß, lernte Christian Dior 1936 kennen, als der spätere Couturier noch Modezeichner war. Die zwei Illustratoren verstanden sich auf Anhieb und hatten gemeinsame Freunde wie Michel de Brunhoff, der in der Presse- und Modebranche tätig war, den Komponisten Henri Sauguet oder den Dichter Max Jacobs. René Gruau und Christian Dior teilten vor allem die gleiche Vision von Mode. Ihrer Meinung nach gab es nur eine wahre Mode: die zeitlose Pariser Mode. Sie waren wie zwei Architekten, die Volumen, Proportionen und harmonische Looks schufen.

Ab 1947 fertigte René Gruau Kohlezeichnungen des Bar  Kostüms an, das denNew Lookvon Dior charakterisierte: ein langer Rock, eine schmale Taille und ein wohlgeformtes Dekolletee. Seine einzigartige Strichführung erweckte Kleidung und Bewegungen auf Canson Papier zum Leben. Später waren es die Kleider Ardente  und Isaphan,  die von René Gruau in Szene gesetzt und gezeichnet wurden. Für letzteres etwa trug das Model, das von Männern in dunklem Frack umgeben war, Handschuhe und Pfennigabsätze, Perlenschmuck und einen roten Mund. Das war der Dior Esprit in Reinform! 1949 gab der Couturier eine Reihe von Zeichnungen für das ParfumMiss Diorbei seinem Freund in Auftrag. Er schickte ihm drei Vorschläge: einen Schwan, einen Fächer und eine Frauenhand auf einer Leopardtatze – es könnte die Hand von Mitzah Bricard gewesen sein, die Muse von Christian Dior, die stets ein Tuch mit Leopardmotiv um ihr Handgelenk geknotet trug. Die Antwort von Christian Dior kam prompt zurück: „Ich bin absolut entzückt, deine Entwürfe sind umwerfend.“  Der Couturier war in der Tat verblüfft von der Kraft, die sie ausstrahlten: René Gruau nahm Abstand von dem konkreten Objekt und schuf ein starkes und nachhaltiges Bild des Modehauses.

Der Zeichner schaffte es nicht nur, das Parfum selbst, sondern auch den Stil und die Empfindsamkeit des Couturiers und Parfumeurs herauszuarbeiten. Die drei Entwürfe verbreiteten sich damals schon bald in der Frauenwelt. Was folgte war ein lange Zusammenarbeit zwischen dem Zeichner und dem Modehaus. Die Signatur von René Gruau – ein stilisiertes G mit einem Stern darüber – zierte zahlreiche Bilder von Handschuhen, Strümpfen, Miederhosen und Dekolletees, vor allem aber jene der Dior Parfums: Zunächst Diorama,  das Gruau mit einem Paar Handschuhe und einem Schal stilisierte, die auf einem Sessel im Stile Ludwig XVI. abgelegt waren. Dann Diorissimo,  das durch Frauen mit entblößtem Rücken symbolisiert wurde, die von luxuriösen Blumensträußen umgeben waren. 1966 hat René Gruau für die Einführung von Eau Sauvage,  dem ersten Herrenduft des Hauses, ein Bild mit behaarten Männerbeinen konzipiert und brachte damit Humor und „Alltag“ in seine Bilder. Mit den Jahren gaben seine Zeichnungen immer mehr von diesem Eau Sauvage  Mann preis,ähnlich wie bei einem Striptease.  Im Laufe seiner Karriere wurde der Stil von Gruau schlichter, seine Kompositionen klarer und sein Strich bissiger, um den zeitlosen Esprit und die Eleganz des Hauses Dior zu betonen.

Sommererzählung: Dior und die Kunst, verschiedene Einblicke – Große Illustratoren, Teil 2

© SARL René Gruau

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